Daten-Report · Stand: 2. August 2026 · wird quartalsweise aktualisiert

E-Rechnung in Zahlen: Der Deutschland-Report 2026

Wie viele Unternehmen betrifft die E-Rechnungspflicht ab 2027 und 2028? Wie bereit ist Deutschland wirklich? Was kostet eine Rechnung – und was kostet Warten? Dieser Report führt erstmals alle belastbaren Zahlen aus amtlicher Statistik, Verbandsstudien und Marktforschung an einem Ort zusammen – jede Zahl mit Quelle. Zitieren ausdrücklich erwünscht (mit Link auf diese Seite).

≈ 7 Mrd.
Rechnungen pro Jahr in Deutschland – größter Rechnungsmarkt Europas[1]
3,12 Mio.
umsatzsteuerpflichtige Unternehmen, die die Pflicht grundsätzlich betrifft[2]
nur 26 %
fühlen sich vollständig auf die Pflicht ab 2027 vorbereitet (YouGov, Juni 2026)[5]
121.343
aktive Shopify-Shops in Deutschland – fast alle KMU[11]

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

1. Die Pflicht: Wer muss wann? (Rechtsstand)

2. Wie viele Unternehmen trifft es – und wann?

Grundlage ist die amtliche Umsatzsteuerstatistik: 3.124.585 Unternehmen gaben zuletzt Umsatzsteuer-Voranmeldungen ab.[2] Die Statistik weist Umsatzgrößenklassen aus – daraus lässt sich die Aufteilung auf die beiden Pflichtwellen ableiten:[3]

Welle 1 · ab 2027 (> 800.000 € Umsatz)
≈ 670.000
Welle 2 · ab 2028 (alle übrigen)
≈ 2,45 Mio.

Eigene Auswertung auf Basis Destatis, Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen), Tabelle 73311-01.[3]

Rechnora-Analyse
Die 800.000-€-Schwelle liegt innerhalb der amtlichen Größenklasse „500.000 bis 1 Mio. €" (311.379 Unternehmen). Sicher über der Schwelle liegen die 484.128 Unternehmen ab 1 Mio. € Umsatz; rechnet man den Schwellenanteil der Zwischenklasse linear zu, ergeben sich rund 670.000 Unternehmen in Welle 1 (Spanne: 484.128 bis 795.507). Für über 2,3 Mio. Unternehmen unter 500.000 € ist dagegen eindeutig: Ihre Frist ist der 1.1.2028.

3. Readiness: Wie bereit ist Deutschland wirklich?

Drei Studien aus dem Sommer 2026 kommen – je nach Strenge der Definition – zu sehr unterschiedlichen, aber durchweg ernüchternden Ergebnissen:

„Fühlen sich vollständig vorbereitet"
26 %
„Voll funktionsfähige E-Rechnungslösung"
10 %
„Erfüllen alle gesetzlichen Anforderungen"
≈ 6 %

easybill/YouGov, n=502, repräsentativ (Juni 2026)[5] · RSM Ebner Stolz, n≈870 Webinar-Teilnehmer (Juli 2026)[6] · Quadient/OpinionWay, n=300 (Juni 2026)[7]

Weitere Befunde aus denselben Erhebungen: 33 % haben noch nie eine E-Rechnung versendet, nur 37 % kennen die gesetzlichen Anforderungen vollständig, und rund 21 % schreiben Rechnungen weiterhin mit Word oder Excel.[5] 48 % der Unternehmen versenden sogar noch Papierrechnungen.[7]

Der Langzeittrend zeigt, wie langsam die Kurve steigt – Anteil der Unternehmen, die E-Rechnungen empfangen können bzw. strukturiert arbeiten (Bitkom):[4][10]

2018 · versenden E-Rechnungen
19 %
2020 · versenden E-Rechnungen
30 %
2021 · versenden E-Rechnungen
43 %
Ende 2024 · können E-Rechnungen empfangen
45 %

Bitkom-Erhebungen 2018–2024 (Unternehmen ab 20 Beschäftigte); Ende 2024 = wenige Wochen vor Start der Empfangspflicht.[4][10]

Rechnora-Analyse
Reality-Check über echte Volumina statt Umfragen: Über die DATEV-Systeme – den wichtigsten Buchhaltungskanal des deutschen Mittelstands – liefen 2025 rund 64 Mio. E-Rechnungen, im 1. Halbjahr 2026 gut 51 Mio.[9] Bei ~7 Mrd. Rechnungen pro Jahr in Deutschland[1] entspricht selbst die Jahresrate 2026 (~100 Mio.) erst rund 1,5 % des Gesamtaufkommens. Anders gesagt: 16 Monate vor der Ausstellungspflicht für Welle 1 ist die strukturierte E-Rechnung im Alltag noch ein Randphänomen.

Besonders deutlich wird die Lücke im Kleingewerbe: Nach der ZDH-Erhebung unter 1.926 Handwerksbetrieben stellt nur rund ein Drittel selbst E-Rechnungen aus, nur ein Drittel archiviert GoBD-konform – und knapp die Hälfte der Nachzügler will erst im 2. Halbjahr 2027 umstellen, also unmittelbar vor bzw. teils nach der eigenen Frist.[8]

4. Shopify-Händler im Fokus

In Deutschland sind aktuell 121.343 aktive Shopify-Shops registriert – nur 4,3 % davon laufen auf Shopify Plus, die große Mehrheit sind kleine und mittlere Händler.[11]

Rechnora-Analyse
Für die meisten Shopify-Händler heißt das: Die eigene Ausstellungspflicht kommt überwiegend erst 2028 – aber drei Dinge greifen früher: (1) Die Empfangspflicht gilt seit 1.1.2025 auch für den kleinsten Shop inklusive revisionssicherer Archivierung der XML-Originale. (2) Ab 1.1.2027 stellen ~670.000 umsatzstarke Unternehmen um – darunter die typischen B2B-Kunden, Lieferanten und Plattformpartner der Händler, die dann strukturierte Rechnungen erwarten oder verlangen. (3) Shopify selbst bringt keine Rechnungsfunktion mit – weder Rechnungsnummernkreise noch §-14-Pflichtangaben, XRechnung oder ZUGFeRD. Ohne Zusatzlösung entsteht die Lücke also unabhängig von der eigenen Umsatzgröße.

Zur Einordnung der B2B-Relevanz: Der deutsche B2B-Onlinehandel über Shops und Marktplätze erreichte zuletzt 509 Mrd. € Umsatz – gut sechsmal so viel wie der B2C-Onlinehandel mit Waren (83,1 Mrd. €).[16][17] Wer als Händler Geschäftskunden beliefert, bewegt sich also im deutlich größeren, ab 2027/28 vollständig e-rechnungspflichtigen Marktsegment.

5. Was kostet eine Rechnung – und was kostet Warten?

Die meistzitierte Marktstudie (Billentis) beziffert die Vollkosten einer papierbasiert verarbeiteten Eingangsrechnung auf rund 17,60 €; ein durchgängig elektronischer Prozess senkt sie auf rund 6,70 €. Insgesamt gelten 60–80 % Kostensenkung und eine Amortisation in 0,5–1,5 Jahren als realistisch.[18] Die manuelle Bearbeitungszeit sinkt von durchschnittlich ~25 auf ~6 Minuten pro Beleg; bei manueller Dateneingabe gilt eine Fehlerquote von 1–3 % pro Feld.[19]

Rechnora-Analyse
Modellrechnung für einen B2B-Händler mit 100 Ausgangs- und 100 Eingangsrechnungen pro Monat: Legt man konservativ nur die Hälfte der Billentis-Ersparnis zugrunde (~5 € je Beleg), stehen rund 12.000 € Prozesskosten pro Jahr im Feuer – ohne die Folgekosten nicht ordnungsgemäßer Rechnungen: Nach der Frist ausgestellte Papier-/PDF-Rechnungen sind keine ordnungsgemäßen Rechnungen i. S. d. § 14 UStG; beim Kunden wackelt der Vorsteuerabzug, bis eine korrekte E-Rechnung nachgereicht ist – in der Praxis: Zahlungsverzögerungen und Rückfragen genau bei den größten Kunden.[20] Diskutiert wird zudem ein Bußgeld nach § 26a UStG von bis zu 5.000 € (rechtlich noch nicht abschließend geklärt).[20]

6. Deutschland im EU-Vergleich: Nachzügler, nicht Vorreiter

LandB2B-PflichtStatus (August 2026)
Italienseit 01.01.2019Live seit über 7 Jahren (FatturaPA/SdI)
Belgienseit 01.01.2026Live (Peppol BIS / EN 16931)
Polen (KSeF)01.02.2026 / 01.04.2026Live (Großunternehmen seit Februar, alle übrigen seit April)
Frankreichab 01.09.2026Empfangspflicht für alle + Ausstellung Groß/Mittel; KMU ab 09/2027
Deutschland2027 / 2028Empfangspflicht seit 2025; Ausstellung ab 2027 (> 800 T€) bzw. 2028
Spanienab 2027 (Verifactu)zert. Rechnungssoftware ab 01/2027 bzw. 07/2027; B2B-Pflicht in Vorbereitung
EU (ViDA)ab 01.07.2030strukturierte E-Rechnung + digitale Meldung für grenzüberschreitendes B2B; nationale Systeme bis 2035 anzupassen

Quellen und Details siehe Quellenverzeichnis.[15]

Die Richtung ist europaweit eindeutig – und unumkehrbar: Mit dem im März 2025 verabschiedeten ViDA-Paket dürfen Mitgliedstaaten nationale E-Rechnungspflichten ohne EU-Sondergenehmigung einführen, ab Juli 2030 wird die strukturierte E-Rechnung im grenzüberschreitenden B2B-Verkehr EU-Standard.[15]

Methodik & Zitierhinweis

Dieser Report aggregiert ausschließlich öffentlich zugängliche Primär- und Verbandsquellen (amtliche Statistik, BMF, Bitkom, ZDH, VeR, Marktforschung) – jede Zahl ist einzeln belegt. Eigene Berechnungen sind als Rechnora-Analyse gekennzeichnet und mit offengelegter Methodik versehen. Abweichende Readiness-Werte verschiedener Studien werden nebeneinander ausgewiesen statt gemittelt. Der Report wird quartalsweise aktualisiert (nächstes Update: November 2026). Zitieren und Verlinken ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht – als Quelle bitte „Rechnora, E-Rechnung-Report 2026" mit Link auf diese Seite angeben. Fragen zu Daten und Methodik: hallo@rechnora.de.

Quellenverzeichnis

  1. Billentis: „Billentis Report 2025" (April 2025) – ~7 Mrd. Rechnungen/Jahr in Deutschland, größter Markt Europas. verband-e-rechnung.org (PDF)
  2. Destatis: Umsatzsteuer-Voranmeldungen 2024 – ~3,1 Mio. Unternehmen, 8,8 Bio. € Umsatz (18.03.2026). destatis.de
  3. Destatis: Statistischer Bericht Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen) 2023, Tabelle 73311-01 – Umsatzgrößenklassen. destatis.de
  4. Bitkom: „Weniger als die Hälfte deutscher Unternehmen empfängt E-Rechnungen" (03.12.2024, n=1.103). bitkom.org
  5. easybill/YouGov: Studie zur E-Rechnungspflicht (02.06.2026, n=502, repräsentativ). easybill.de
  6. RSM Ebner Stolz: Webinar-Umfrage E-Rechnung (08.07.2026, n≈870). ebnerstolz.de
  7. Quadient/OpinionWay: Umfrage E-Rechnungspflicht (Juni 2026, n=300). ad-hoc-news.de
  8. ZDH: Umfrageergebnisse E-Rechnung im Handwerk (18.05.2026, n=1.926 Betriebe). zdh.de · Pressemitteilung
  9. DATEV via dpa-AFX: >51 Mio. E-Rechnungen im H1/2026, 64 Mio. in 2025 (17.07.2026). finanzen.net
  10. Bitkom: „Elektronische Rechnungen kommen in der Breite an" (2021, Zeitreihe 2018–2021) und „E-Rechnungen auf dem Vormarsch" (2023). bitkom.org · bitkom.org
  11. Storeleads (Datenabzug 13.06.2026, via Eightx „Germany Shopify Landscape 2026"): 121.343 aktive Shopify-Stores in DE, davon 5.168 Shopify Plus (4,3 %). eightx.co · storeleads.app
  12. Wachstumschancengesetz vom 27.03.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 108), Neufassung § 14 UStG. haufe.de
  13. BMF-Schreiben vom 15.10.2024 (III C 2 – S 7287-a/23/10001:007) und vom 15.10.2025 (UStAE-Anpassung, Fehlerkategorien). BMF 2024 (PDF) · BMF 2025 (PDF)
  14. BMF: FAQ zur E-Rechnung (Fristen, Ausnahmen §§ 33/34 UStDV, § 34a UStDV für Kleinunternehmer). bundesfinanzministerium.de
  15. EU/Länder: ViDA-Paket (VeR, 03/2025) verband-e-rechnung.org · Italien fatturapa.gov.it · Polen/KSeF ey.com · Frankreich ey.com · Belgien fiskaly.com · Spanien besitec.com
  16. ECC KÖLN / IFH KÖLN: B2B-Marktmonitor 2025 – 509 Mrd. € B2B-Internethandel (02.10.2025). ifhkoeln.de
  17. bevh/EHI: B2C-Onlinehandel mit Waren 83,1 Mrd. € in 2025 (22.01.2026). bevh.org
  18. Billentis: „The E-Invoicing Journey 2019–2025" – 60–80 % Kostensenkung, ROI 0,5–1,5 Jahre; Kostenwerte 17,60 €/6,70 € via Basware. billentis.com (PDF) · basware.com
  19. Bearbeitungszeiten/Fehlerquoten: Scopevisio (~25 → ~6 Min.) scopevisio.com · pedif (Fehlerquote 1–3 %/Feld) pedif.digital
  20. Rechtsfolgen: FGS-Blog zu § 14/§ 15 UStG und Praxisfolgen fgs.de · Bußgeld-Diskussion § 26a UStG ecovis-kso.com

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